Monatsspruch Dezember 2016

 

Meine Seele wartet auf den Herrn

mehr als die Wächter auf den Morgen.

Ps 130,6

 

 

Wohl jeder kennt sie: schlaflos durchwachte Nächte. Gedanken kreisen, die Seele findet keine Ruhe. Nöte und Ängste werden mit jeder Stunde größer und bedrohlicher. In der Dunkelheit der Nacht scheinen sie schier unüberwindbar. Ein Ausweg ist nicht in Sicht, an Schlaf ist nicht zu denken.

 

An dieser Stelle lohnt es sich den gesamten Psalm 130 anzuschauen, den Luther als sechsten Bußpsalm bezeichnet hat. Aus der Tiefe ruft der Beter zu Gott (V.1). Er ist in größter Not. Aus dem Abgrund menschlichen Leids schreit der Beter zu Jahwe, seinem Gott. Vergebung ist nötig und Gott ist der Einzige, der ihm noch helfen kann. Mit seinem ganzen Sein hofft und harrt er auf den HERRN und seine rettenden Worte (V.5-6).

 

Der Morgen steht als Symbol für den Neubeginn. Der Morgen mit der aufgehenden Sonne bildet den Kontrast zur Nacht mit ihrer Dunkelheit. Die Wächter über der Stadt haben diesen neuen Morgen herbeigesehnt. Der Morgen bedeutete für sie das Ende ihrer Arbeitsschicht, aber vor allem war dann die Zeit der größten Gefahren und Bedrohungen für ihre Stadt wieder vorüber.

 

Und so wie die Wächter auf der Stadtmauer nicht enttäuscht werden, weil Gott die Sonne wieder aufgehen lässt, so ist es auch die Zuversicht des Psalmbeters, dass Gott sich ihm wieder gnadenvoll zuwenden und ihn über kurz oder lang aus seiner tiefen Not erretten wird. An der wiederkehrenden Erfahrung der Nachtwächter, dass die Sonne jeden Morgen wieder neu aufgeht, macht der Beter seine Hoffnung fest, dass Gott sich ihm wieder neu zuwenden wird.

 

Dies gilt für Menschen, die wie der Psalmbeter aus der Tiefe ihres Lebens zu Gott rufen. Und gleichermaßen gilt dies auch für unsere Verfehlungen, die kleineren und größeren Sorgen, Nöte und Ängste, die uns den Schlaf rauben. Die Schrecken der Nacht verlieren im Morgengrauen des anbrechenden Tages ihre Bedrohlichkeit. Und unsere Zuversicht ist es, dass Gott sich uns über kurz oder lang wieder zuwenden und uns aus dem tiefen Abgrund unserer Seele wieder retten wird.

 

Stefanie Desamours

 

Stefanie Desamours ist wissenschaftliche Mitarbeiterin für Mission und Diakonie der Theologischen Hochschule Elstal und Sachbearbeiterin für Katastrophenhilfe im Dienstbereich Mission im Bund Evang.-Freikirchlicher Gemeinden.

 

 
903 03. Dez 2016

 

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