Suche Frieden und jage ihm nach! (Psalm 34,15; Jahreslosung 2019)

 

Suche Frieden und jage ihm nach! heißt es in Psalm 34,15. Wenn das kein Segensauftrag ist! Aber: was heißt das? Vor allem: wie geht das? Ich finde: eine Jahreslosung, die den Frieden zum Thema hat, passt in diese Zeit. Aber vielleicht hätte ich eher andere Worte gewählt: Christus ist unser Friede! Oder was Jesus sagt: "Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch." Nein, es heißt: Suche Frieden und jage ihm nach!

 

Dieses Wort drückt aus: Friede ist Arbeit. Friedensarbeit brauchgt Ausdauer und ist anstrengend. Es geht um unser Tun, und was wir investieren. Unfassbar, wie viele Formen des Unfriedens es gibt, schon in unserer kleinen Welt. Nachbarn gehen sich aus dem Weg. Eltern und Kinder verlieren den Kontakt. Mitarbeiter sind genervt und reden nur noch schlecht übereinander.

 

Wenn ich darüber nachdenke: wie viele Gespräche fallen mir ein, in denen sich jemand über andere beklagt. Oft bin ich betroffen und kann nur sagen: das tut mir leid. So viele Kränkungen, Verletzungen, Ärgernisse bringt das Leben mit sich. So steht der Seufzer zwischen Menschen: Ach, wenn die anderen doch freundlicher wären, zugewandter, aufmerksamer.

 

Halt, sagt unser Wort: Suche Frieden und jage ihm nach! Heißt: die anderen wirst du nicht ändern, indem du ihnen Vorwürfe machst oder wartest, dass sie sich anders verhalten. Aber du selbst kannst dich auf den Weg machen. Das muss David begriffen haben, dem das Wort in Psalm 34 zugeschrieben wird. Er hätte allen Grund gehabt, sich zu beklagen! Saul, so erzählt der Anfang des Psalms, spielt David übel mit. Furchtbar, was David alles ertragen muss!

 

Da erinnert sich David an die Weisheit seines Glaubens. Frieden suchen ist eine Frage des Glaubens! Genau das drückt David aus. Er bekennt sich zu dem Gott, der zu ihm freundlich ist und für ihn sorgt. Dieser Gott hat ihn berufen: der barmherzige und gnädige, geduldige und gütige Gott. Der hört und kümmert sich.

 

Das ist wichtig! Denn Unfrieden ist ansteckend. Jeder kann davon erzählen, wie sich Vorbehalte und Konflikte zwischen Menschen immer weiter in eine Gemeinschaft hinein fressen. Aber Gottes Liebe ist auch ansteckend. Sie löst nicht jeden Konflikt auf. Aber sie bewirkt, dass Menschen nicht immer weiter in den Sog negativen Denkens hinein gezogen werden.

 

Darum: warum ein ganzes Jahr lang dem Frieden nachjagen, sogar ein ganzes Leben lang? Weil Frieden suchen eine Frage des Glaubens ist. Und weil Christus unser Friede ist. Immer. Sonntags und alltags. Ich stelle mir vor: zwei Menschen reichen einander die Hände. Vielleicht sind es gute Bekannte, vielleicht Freunde, vielleicht Geschwister, vielleicht Politiker…

 

Wie unterschiedlich kann eine solche Berührung sein! Kraftvoll, voller Freude: schön, dass ich dich treffe! Oder aber: vorsichtig, tastend: wer bist du? Vielleicht auch: zaghaft, ängstlich: lass uns einen neuen Anfang machen! Hinter dieser Begegnung steht Christus. Sein Kreuz steht für Vergebung. Vergebung öffnet den Horizont: nicht festhalten an den alten Geschichten, sondern Schuld und Versagen loslassen und Neues wagen! Das gilt besonders, wenn wir das Kreuz schwieriger Beziehungen tragen. Sein Licht steht für die Kraft des Heiligen Geistes. Der Geist Gottes tröstet, wenn das Leben weh tut; er gibt Weisheit, wenn Beziehungen schwierig sind; er schenkt Klarheit für offene Worte; er weckt Geduld , auch längere Wege zu gehen; von ihm kommen Kraft und schöpferische Phantasie.

 

Damit haben wir eine ordentliche Hausaufgabe für das neue Jahr: Suche Frieden und jage ihm nach! Ich bin gespannt, was wir einander in einem Jahr erzählen können, was wir mit diesem Wort erlebt haben. Ich bin sicher: Christus wird uns die Kraft zum Frieden geben, die wir brauchen.

 

Christoph Becker

 

Aus der Predigt im Silvester-Gottesdienst am 31.Dezember 2018 in der Gemeinschaftshalle Leichlingen-Weltersbach

 

 
818 29. Dez 2009

 

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